Sport bei Fettleber als effektive Therapie

Doz. DDr. Manfred Wonisch - Ihr Kardiologe im Herzen von Graz

Dass sich zu viel Alkohol schlecht auf die Leber auswirkt, ist bekannt. Allerdings können auch zu wenig Bewegung und falsche Ernährung zu einer Fettleber führen. Auch bei schlanken Personen, die ein hohes Maß an Fruchtzucker konsumieren. Wie kann Sport bei Fettleber als Medizin eingesetzt werden? Und wie lässt sich mit Bewegung das Risiko für Lebererkrankungen reduzieren? 

„Zwischen 20 und 30 Prozent der Österreicher leiden an einer ernährungsbedingten – d.h. nicht an einer alkoholbedingten – Fettleber“, weiß Sportkardiologe Doz. DDr. Manfred Wonisch. „Auch schlanke Menschen sind immer häufiger betroffen.”

 

Was versteht man unter Fettleber?

Man spricht von einer Fettleber, wenn die Leber ihren normalen Aufgaben nicht mehr ausreichend nachkommen kann, weil sie zu viel Fett einlagert. Die Fettleber kann sich entzünden, also sich zu einer Leberentzündung – d.h. einer Hepatitis – entwickeln.

Wonisch erläutert: „Der höchste Risikofaktor für eine nichtalkoholische Fettleber ist das metabolischen Syndrom. Damit ist das gleichzeitige Auftreten von Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz gemeint. Aber auch ‚nur‘ Übergewicht, Diabetes und erhöhte Cholesterin allein können das Risiko deutlich erhöhen.“

 

Fruchtzucker-Konsum kann eine Rolle spielen

„Erst in jüngster Vergangenheit zeigt sich, dass der steigende Fruchtzucker-Konsum eine immer stärkere Rolle spielt. Etwa in Smoothies, Diät-Produkten, Energydrinks. Genauso wie übermäßiges Fett wird nämlich auch Zucker griffbereit in der Leber abgespeichert, wo er im Übermaß aber zum Problem wird.“

Problematisch ist auch, dass sich eine Fettleber über lange Zeit unbemerkt entwickeln kann. „Die Leber schmerzt – anders als die meisten anderen Organe oder Körperteile – nicht. Die Symptome sind nicht klar zuordenbar und können Energielosigkeit, Verdauungsprobleme und Appetitlosigkeit sein.“

Folge einer Fettleber kann auch eine Leberzirrhose führen, die Krebs begünstigen kann. Außerdem verdreifacht sich das Diabetes-Risiko, weil sich eine Insulinresistenz bildet.

 

Sport bei Fettleber: Wie wirkt sich Bewegung auf die Lebergesundheit aus?

Bewegung ist neben ausgewogener Ernährung das wirksamste und gesündeste Mittel, übermäßiges Fett aus der Leber und auch Zucker abzubauen. Dies gilt sowohl präventiv bei gesunden als auch als Therapie bei bereits an Fettleber erkrankten Personen.

Eine Studie zeigt, dass Personen nach 8 Wochen Training auf dem Fahrradergometer ihren Fettgehalt in der Leber um 13 Prozent reduzieren konnten, bestätigt die Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Wonisch verweist darüber hinaus auf ein in der Fachzeitschrift für Sportmedizin veröffentlichte Ergebnis eines systematischen Reviews aus 21 randomisierte Kontrollstudien mit insgesamt 1530 bereits an Fettleber erkrankten Personen. Schon nach 4 Wochen Training zeigt sich eine messbare Auswirkungen auf die Leber und auch die Menge der freien Fettsäuren nahm durch Bewegungsintervention signifikant ab. „Das zeigt deutlich, wie Bewegung als Medizin eingesetzt werden kann.“

 

Regelmäßige Bewegung ist erforderlich

Allerdings zeigt sich auch, dass der Nutzen des Sports wieder komplett verloren geht, wenn die regelmäßige Aktivität beendet wird. Dies hat die Deutsche Leberhilfe e.V. auf Grundlage einer Studie aus Großbritannien festgestellt. Sowohl Herz, Lunge, aber auch Leber fielen rasch in den ursprünglichen Zustand, die positiven Effekte der Anstrengung bildeten sich vollständig zurück.

Regelmäßige Bewegung wirkt sich nicht nur auf die Leberwerte positiv aus, betont Wonisch. „Der Blutdruck wird harmonisiert, die Cholesterin-Werte können sich verbessern und der Blutzucker-Spiegel sinkt. Bei einer körperlichen Aktivität werden nämlich die Muskeln aktiviert, die für ihre Arbeit Glukose benötigen. Diese Glukose wird aus dem Blut in die Zelle geschleust.“ Mit einem gesunden Blutdruck, Cholesterin- und Blutzuckerspiegel reduziert man wiederum sein Risiko für Fettleber.

 

Sport bei Fettleber: Ausdauer vs. Krafttraining

Dazu Wonisch: „Grundsätzlich sind alle Ausdauersportarten wie Wandern, Schwimmen oder Radfahren ideal, wobei das natürlich immer im Einzelfall entschieden werden sollte. Da es meist auch um eine Gewichtsreduktion geht, kann auch ein zusätzliches Krafttraining zum Muskelaufbau sinnvoll sein.“

Allerdings: „Dauerhaft motiviert bleibt man nur bei einem Bewegungsprogramm, das gut zu einem passt. Um das herauszufinden, ist eine sportmedizinische Untersuchung essenziell. Gerade, wenn man Sport als Medizin nutzen und damit seine Gesundheit verbessern möchte.“

Dabei ganz wichtig: „Jeder Schritt zählt. Schon allein wenn man mehr Bewegung in den Alltag bringt – etwa indem man kürzere Wege zu Fuß zurücklegt statt mit dem Auto oder ein Telefonat mit einem Spaziergang verbindet. Und auch wenn man seine gewohnte Form der Bewegung – etwa im Fitnessstudio oder im Schwimmbad – derzeit nicht umsetzen kann, gibt es immer Alternativen. Auch hier kann die Begleitung durch einen Sportwissenschafter, der einen individuellen, professionellen Trainingsplan erstellt, sehr hilfreich sein.“

 

Wie sieht eine leberfreundliche Ernährung aus?

Begleitend zum Bewegungsprogramm sollte auch an der gesunden Ernährung gearbeitet werden, denn auch die Ernährung hat einen zentralen Einfluss auf die Lebergesundheit. Wonisch erläutert: „Alkohol im Übermaß ist eine Belastung für die Leber, das ist den meisten bewusst. Aber auch zu viel Fruchtzucker und manche Konservierungsstoffe – etwa in Fertigprodukten – belasten die Leber.“ Empfehlenswert sind stärkehaltige Lebensmittel wie Gemüse und Vollkornprodukte. Durch die enthaltenen Ballaststoffe werden Giftstoffe, die sonst in die Leber gelangen würden, im Darm gebunden. Darüber hinaus gibt es auch in der Naturheilkunde Möglichkeiten, die Leber zu stärken. Mariendistel hat sich hier als ein gutes Mittel erwiesen.“

 

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