Diabetes und Sport: Was sollte man beachten?

Diabetes und Sport (Sujetbild Untersuchung)

Zwischen Diabetes und Sport besteht ein deutlicher Zusammenhang. Bewegungsmangel erhöht das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Gleichzeitig kann ein individuell angepasstes Sportprogramm aber auch helfen, das Diabetes-Risiko zu reduzieren – und in manchen Fällen Diabetes sogar heilen. Was es dabei zu beachten gibt und wie man sich zu einem gesunden Maß an Bewegung motivieren kann, weiß Sportkardiologe Doz. DDr. Manfred Wonisch .

Rund 600.000 Diabetiker gibt es in Österreich, der Großteil davon ist von Diabetes mellitus Typ 2 betroffen. Darüber hinaus wird Prädiabetes, die oft unerkannte Vorstufe von Diabetes, häufig unterschätzt. Sportkardiologe Doz. DDr. Manfred Wonisch zu den Risikofaktoren:

„Ein ungesunder Lebensstil mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung erhöht das Diabetes-Risiko immens.“

„Leider wird Bewegungsmangel auch in der aktuellen Krise zunehmend zum Thema. Einerseits fallen viele Möglichkeiten zur Sportausübung, etwa Schwimmbäder und Fitnessstudios, weg. Andererseits ist die Motivation zur Bewegung in herausfordernden Zeiten, in denen auch zunehmend depressive Verstimmungen zum Thema werden, deutlich geringer. Erst kürzlich hat WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus angesichts der Corona-Pandemie vor akutem Bewegungsmangel und dessen Folgen gewarnt.“

Diabetes und Sport: Blutzuckerspiegel senken mit Bewegung

Durch Bewegungsmangel steigt das Risiko für Diabetes, gleichzeitig ist Bewegung aber auch ein sehr wirksames Mittel, den Blutzuckerspiegel zu reduzieren und/oder Diabetes zu heilen, bestätigt Wonisch: „Ich hatte erst kürzlich einen Patienten, der sich ein Jahr lang deutlich weniger bewegt, deutlich zugenommen und dann Diabetes entwickelt hat. Das kann sehr schnell gehen. Das Positive ist aber, dass man auch sehr schnell etwas verändern kann, wenn man wieder mehr Bewegung in den Alltag bringt und auf gesündere Ernährung achtet. Der betroffene Patient ist seinen Diabetes dadurch innerhalb von wenigen Monaten wieder losgeworden.“

Wonisch erläutert den Zusammenhang zwischen Diabetes und Sport:

„Bei einer körperlichen Aktivität werden die Muskeln aktiviert, die für die Arbeit Glukose benötigen. Diese Glukose wird aus dem Blut in die Zelle geschleust. Im Normalfall wird zumindest im Ruhezustand Insulin dazu benötigt, um den Transport durch die Zellwand zu gewährleisten. Diabetiker leiden allerdings oft an einer Insulinresistenz, sodass ein erhöhter Blutzucker nicht mehr vollständig in die Zelle eingeschleust werden kann. Muskelarbeit wiederum aktiviert aber die Transportmoleküle in der Zellwand unabhängig einer Insulinwirkung, sodass das Training auch bei einer Insulinresistenz zu einer zusätzlichen Senkung eines erhöhten Zuckerspiegels führt.“

 

Motivation zur Bewegung wieder finden

Gerade in der momentanen Situation fehlt es vielen Menschen – egal ob Diabetiker oder nicht – allerdings an Motivation zur Bewegung. Ein wirksames Mittel, um sich zu einem gesunden Bewegungsverhalten zu motivieren, kann eine sportmedizinische Untersuchung sein, betont Wonisch. „Dauerhaft motiviert bleibt man nur bei einem Bewegungsprogramm, das gut zu einem passt. Um das herauszufinden, ist eine sportmedizinische Untersuchung essenziell – gerade, wenn man Sport als Medizin nutzen und damit seine Gesundheit verbessern möchte.“

Dabei ganz wichtig: „Jeder Schritt zählt. Schon allein wenn man mehr Bewegung in den Alltag bringt – etwa indem man kürzere Wege zu Fuß zurücklegt statt mit dem Auto oder ein Telefonat mit einem Spaziergang verbindet. Und auch wenn man seine gewohnte Form der Bewegung – etwa im Fitnessstudio oder im Schwimmbad – derzeit nicht umsetzen kann, gibt es immer Alternativen. Auch hier kann die Begleitung durch einen Sportwissenschafter, der einen individuellen, professionellen Trainingsplan erstellt, sehr hilfreich sein.“

 

Sport und Diabetes: Was muss man beachten?

Unerlässlich für Diabetiker ist eine regelmäßige medizinische Begleitung, um eine richtige Einstellung des HbA1c-Werts zu gewährleisten. „Dieser gibt den durchschnittlichen Blutzuckerwert der vergangenen Wochen an“, erläutert Wonisch. „Der HbA1c-Wert gilt als wichtiger Messwert zur Kontrolle von Diabetes.“

Regelmäßige medizinische Kontrollen reduzieren darüber hinaus das Risiko für unbemerkte Schäden, betont Wonisch: „Zucker kann sich in den Nerven festsetzen und dort zu Schäden führen. Das kann so weit gehen, dass man Schmerzen nicht mehr spürt und damit Anzeichen für Erkrankungen nicht wahrnimmt. Auch führt Diabetes zu einer schlechteren Wundheilung und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.“

„Keinesfalls sollten diese Risikofaktoren aber als ‚Ausrede‘ gesehen werden, sich möglichst wenig zu bewegen, das ist kontraproduktiv. Wichtig ist nur, dass man sich regelmäßig medizinisch untersuchen lässt und am besten auch sein Bewegungsprogramm gemeinsam mit einem Sportmediziner konzipiert.“

 

Welche Sportart ist ideal für Diabetiker?

Dazu Wonisch: „Grundsätzlich sind alle Ausdauersportarten wie Wandern, Schwimmen oder Radfahren ideal, wobei das natürlich immer im Einzelfall entschieden werden sollte. Beachten sollte man, dass es zu einer Unterzuckerung kommen kann und dann schnell eine Insulintablette griffbereit sein sollte. Beim Wandern oder Radfahren ist das problemlos möglich, bei Extremsportarten wie Tauchen wäre das natürlich schwieriger.“

 

Welches Sportprogramm ist das beste für Sie als Diabetiker? Finden Sie es heraus im Zuge einer sportmedizinischen Untersuchung!